Sonntag, 6. August 2017

Rezension: Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow


Am Freitag erschien mit Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow ein weiterer Roman von Autorin Rainbow Rowell. Wer schon Fangirl gelesen hat, für den ist Simon Snow kein Unbekannter mehr. Wer wissen möchte, ob der Roman auch ganz unabhängig davon gelesen werden kann, der sollte jetzt unbedingt weiterlesen.



WORUM GEHT ES?

Simon Snow soll der mächtigste und größte Zauberer sein, den es je gegeben hat. Daran hat er selbst aber große Zweifel. Nicht ganz unberechtigt, denn er ist nicht gerade talentiert, was das Zaubern angeht. Eigentlich ist er eine lebende Katastrophe, nicht mal die einfachsten Zaubersprüche gelingen ihm. Doch er ist der Einzige, der die große Gefahr, den Hinterhältigen Schatten besiegen kann. So heißt es jedenfalls in den Überlieferungen.
Ohne seine beste Freundin Penelope ist Simon jedoch völlig aufgeschmissen. Penelope hat ihm schon einige Male den Hintern gerettet und er weiß, sie würde es jederzeit wieder tun. Aber nicht nur der Hinterhältige Schatten hält Simon auf Trab, sondern auch sein Erzfeind und Zimmergenosse Baz. Simon vermutet schon lange, dass Baz irgendetwas im Schilde führt, immerhin ist er sich seit der fünften Klasse sicher, dass Baz ein Vampir ist! Als er dann zu Beginn des neuen Schuljahres nicht in Watford eintrifft, fühlt sich Simon in seiner Vermutung nur noch mehr bestätigt. Doch das Verschwinden von Baz und auch die Herkunft des Schatten haben einen ganz anderen Hintergrund, als Simon zunächst vermutet. Er begibt sich auf ein letztes Abenteuer, um die Welt der Magier zu retten.


REZENSION

Wer bereits Fangirl von Rainbow Rowell gelesen hat, dem wird die Welt von Simon Snow nicht ganz unbekannt sein. Man findet hier einiges wieder, was man vielleicht schon mal gelesen hat. Das heißt aber nicht, dass man Simon Snow nicht unabhängig von Fangirl lesen kann! Das kann man nämlich ganz wunderbar. Vieles, was bereits in Fangirl beschrieben wurde, wird hier nochmal neu aufgegriffen und erzählt, man braucht sich also kein Vorwissen anzueignen und kann direkt mit dem Lesen starten.

Der Roman unterteilt sich in vier Bücher. In jedem Buch kommen ein paar neue Perspektiven hinzu, aus denen erzählt wird. Man hat also ein breites Spektrum an erzählenden Figuren. Besonders gefallen hat mir, dass man bestimmte Ereignisse so nochmal aus der Sicht der anderen erfährt und damit einen tieferen oder sogar einen ganz anderen Einblick in die Szenerie erhält. So ist das, was Simon erlebt und erzählt hat, nicht unbedingt dasselbe, wie Baz oder Penelope es erlebt haben. Vielleicht weil sie etwas anderes wissen oder etwas einfach anders auffassen. Für mich war das eine sehr interessante Art der Erzählung, denn manchmal kamen in den Kapiteln auch mehrere Perspektiven vor, in denen die Charaktere dann direkt aufeinander reagiert haben.
Obwohl die Kapitel nie besonders lang waren, hatte ich hier und da manchmal das Gefühl, dass doch etwas zu ausschweifend erzählt wurde. Natürlich ist es gut, Szenen aus der Vergangenheit einzubringen, sofern sie wichtig für die Handlung sind, aber mir waren die Erzählungen an manchen Stellen einfach zu zäh. Außerdem gab es hier und da ein paar kleine Szenen, die man sich vielleicht auch hätte sparen können. Es wirkte an manchen Stellen so, als hätte man den Schwerpunkt irgendwie falsch gesetzt, so dass einige Charaktere nicht ganz den Raum bekamen, den sie eigentlich verdient hätten.

Spannend zu entdecken war vor allem die Welt der Magier, wie sie in dem Roman dargestellt wird. Dabei gibt es in der Hinsicht gar keine eigene Welt für Magier, denn sie leben ganz normal unter Menschen, nur, dass sie eben magische Kräfte besitzen. Einzig die Zaubereischule Watford ist nicht für Normale zugänglich, sondern bloß für diejenigen, die eine magische Begabung besitzen.
Witzig fand ich vor allem, wie sich die Zaubersprüche im Roman zusammensetzen. Bei Zaubersprüchen denkt man vor allem eher an lateinische oder gar komplett ausgedachte Formeln. Doch in Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow setzen sich die Zaubersprüche aus ganz alltäglichen Redewendungen, Sprichwörtern oder auch Werbeslogans oder Liedzeilen zusammen. Manchmal musste ich wirklich schmunzeln, wenn ich eine dieser Zauberformeln las, an anderen Stellen fand ich es allerdings auch etwas zu skurril, dass man mit dieser Phrase wirklich zaubern konnte. Im Roman selbst sind die Zaubersprüche übrigens durch kursiv-fette Schrift kenntlich gemacht.

Die Charaktere, die in dem Roman vorkommen, haben mir zum Großteil ebenfalls gut gefallen. Seit dem ersten Kapitel, das aus seiner Sicht erzählt wurde, war ich ein großer Fan von Baz! Der entspricht einfach dem Charaktertyp, den ich generell sehr mag. Sarkastisch, macht einen auf unantastbar, ist hinter der Fassade aber eigentlich ein Guter.
Aber auch Simon hat mir gut gefallen, eben weil er mal nicht einer dieser Helden war, der immer alles richtig macht und total gut ist, in dem was er tut. Er ist impulsiv und unvernünftig, aber auch loyal, selbst dann, wenn alles gegen ihn spricht.
Wie die Autorin Penelope in Szene setzt, möchte ich aber ganz besonders loben. Für mich hat sie mit Penelope einen sehr starken, weiblichen Charakter gezaubert, der ein fester Bestandteil in der Geschichte ist. Als Simons beste Freundin spielt sie für ihn nämlich eine große Rolle und ich möchte unbedingt hervorheben, wie gut ich es finde, dass Simon und Penelope auch nur genau das sind: beste Freunde. Es herrscht keine sexuelle Spannung zwischen ihnen und wie ich bereits in einigen Rezensionen von mir schon erwähnt habe, bin ich eine große Befürworterin solcher Freundschaften.
Das ist allerdings auch der Grund, weshalb mir Agatha so gar nicht gefallen hat. Sie dient in meinen Augen nämlich nur als Freundin von Simon bzw. wird sie ausschließlich auf diese Rolle reduziert und wirkt deshalb im Laufe des Romans eher als überflüssige Mitläuferin.

Ganz allgemein gefällt mir das Frauenbild, dass Rainbow Rowell in ihrem Roman geschaffen hat. Obwohl der Magier und auch Simon, als der größte Magier überhaupt, beides Männer sind, gibt es im Roman eine ganze Reihe von Frauen, die ebenfalls hohe Positionen innehaben oder große Zauberkräfte besitzen. Es herrscht also ein Gleichgewicht, dass mir so in anderen Romanen bisher nicht oft aufgefallen ist.
Auch Homosexualität ist in dem Roman ein großes Thema, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Dass es auch hier ein Gleichgewicht gibt, finde ich wirklich gut, denn es zeigt sehr, wie souverän die Autorin doch mit dem Thema umgeht und wie realitätsnah ihr die Darstellung gelungen ist.

Im Großen und Ganzen hat mir Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow gut gefallen. Rainbow Rowell hat einen spannenden Roman geschrieben, der vor allem durch überwiegend gut geschriebene Charaktere überzeugt. Allerdings hat mich die Geschichte an manchen Stellen doch zu sehr an Harry Potter erinnert. Ich habe zwar gelesen, dass es eher als Hommage gedacht war, mich haben diese Parallelen aber doch irgendwie zu sehr gestört. Trotzdem hatte ich viel Spaß beim Lesen und war sehr froh, ebenfalls in die Welt von Simon Snow eintauchen zu können, nachdem in Fangirl so viel darüber geschwärmt wurde.


FAZIT

Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow ist ein toller Jugendroman, der mit Sicherheit viele begeistern wird. Wer Fangirl bereits gelesen hat, wird hier Bekanntes wiederfinden, aber auch ganz viel Neues über Simon Snow und seine magische Welt erfahren. Aber auch für alle anderen ist der Einstieg in den Roman kein Problem und wird mit Sicherheit jeden verzaubern können. Leider gab es einige Punkte, die mir nicht so gefallen haben, dennoch hat mir der Roman  im Ganzen sehr gefallen und mich gut unterhalten, weshalb ich ihn mit vier von fünf Kreuzen bewerte.


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BUCHDETAILS

Titel: Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow
Autorin: Rainbow Rowell
Übersetzung: Brigitte Jakobeit
Verlag: dtv, Reihe Hanser
Preis: 19,95€
Sonstiges: Hardcover, 528 Seiten


Die Buchdetails sind der Webseite von dtv entnommen.
Vielen Dank an Stefanie Broller und dtv für das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Hallo ich bin soeben auf Deinen Blog gestoßen und finde den richtig toll :)
    Die Rezi gefällt mir auch wahnsinnig gut so lasse ich Dir einfach mal ein Abo da.
    Vielleicht hast Du auch mal Lust bei mir vorbei zu schauen?
    http://www.printbalance.blogspot.de
    Ich würde mich jedenfalls tierisch darüber freuen :)
    liebe Grüße
    Andrea

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    Antworten
    1. Hallo Andrea,
      vielen Dank für den lieben Kommentar. Ich werde natürlich sehr gerne auch mal auf deinem Blog vorbei schauen!

      Liebe Grüße
      Jenny

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