Dienstag, 12. September 2017

Rezension: Als ich Amanda wurde


Die Protagonistin in Meredith Russos Als ich Amanda wurde ist besonders, denn sie war nicht immer ein Mädchen. Früher war sie ein Junge namens Andrew. Der Wunsch, ein Mädchen zu sein, war allerdings schon immer da. In meiner heutigen Rezension möchte ich euch den Roman von Meredith Russo vorstellen, die selbst transgender ist und ihre eigenen Erfahrungen mit in die Geschichte hat einfließen lassen. 



WORUM GEHT ES?

Amanda hieß nicht immer Amanda. Geboren wurde sie als Junge namens Andrew, der sich jedoch schon immer irgendwie als Mädchen gefühlt hat. Nach einer Hormontherapie und einer Geschlechtsumwandlung ist aus Andrew nun endlich Amanda geworden. Um neu anzufangen und ihr letztes Jahr in der High School in Ruhe beenden zu können, zieht Amanda zu ihrem Vater nach Tennessee. Ihr Plan, sich dort rar zu machen und bloß ihren Abschluss zu machen, wird allerdings bereits am ersten Tag zerschlagen, weil sie als die Neue nun mal Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Bald hat Amanda Freundinnen und sogar einen Freund, etwas, das ihr bis dato immer verborgen geblieben war. Sie beginn ihr neues Leben zu genießen, hat allerdings immer mit der Angst zu kämpfen, dass andere etwas über ihre Vergangenheit erfahren. Was passiert, wenn alle, die ihr etwas bedeuten, erfahren, dass sie  früher mal ein Junge war?


REZENSION

Als ich Amanda wurde von Meredith Russo ist ein Roman, der das Thema Transgender behandelt. Die Autorin ist nämlich selbst transgender und hat ihre eigenen Erfahrungen in diesen Roman einfließen lassen. Gerade das hat mich sehr angesprochen, weshalb ich sehr neugierig auf Meredith Russos Roman war.

Die Geschichte wird erzählt aus der Sicht der 18-jährigen Amanda. In manchen Kapiteln reisen wir mittels Flashbacks ein paar Jahre zurück in Amandas Vergangenheit. So erleben wir Amanda als Andrew noch im Grundschulalter, aber auch als Teenager. Wir erfahren, wie früh Andrew eigentlich schon den Wunsch hegt hat, ein Mädchen zu sein und als ebendieses akzeptiert zu werden. Für mich waren gerade diese Flashbacks sehr interessant, da ich als Cisgender nicht weiß und nur raten kann, mit was für Problemen und Gefühlen ein Transgender zu kämpfen hat.
Allerdings kommt auch hier gleich schon mein einziger Kritikpunkt, denn obwohl wir einiges über Andrews frühe Identitätsprobleme erfahren, hätte ich mir trotzdem noch mehr dazu gewünscht. Wie aus Andrew schließlich Amanda wurde, wird nur sehr leicht angekratzt. Es wird öfter mal erwähnt, dass Amanda ein komplettes Jahr in der Schule ausgesetzt und die Zeit Zuhause verbracht hat. Ich hätte gerade dazu gerne mehr erfahren. Wie war es, als die ersten körperlichen Veränderungen eintraten? Hatte sie keine Angst vor den Operationen zur Geschlechtsumwandlung? Ich hätte neben Virginia auch gerne andere Mitglieder dieser Selbsthilfegruppe für Transgender kennengelernt oder mitbekommen, womit andere Transgender zu kämpfen haben. Amandas Geschichte unterscheidet sich sicherlich auch von anderen.
Mir ist bewusst, dass dies ein Jugendbuch ist und es vielleicht deshalb nicht so detailliert thematisiert wurde, es hätte mich persönlich aber eben doch sehr interessiert.

Amanda hat sich schon immer als Mädchen gefühlt, was vor allem für ihren Vater schwer zu akzeptieren war. Auch jetzt merkt man noch, dass er immer noch dabei ist, damit klar zu kommen. Er gibt sich allerdings wirklich Mühe, Amanda zu akzeptieren, wie sie ist und gerade dann, als man ihr weh getan hat, handelt er wie ein Vater und will sie schützen.

Was leider sehr realitätsnahe dargestellt wird, ist das Mobbing ihrer Mitschüler. Das beinhaltete nicht nur psychische Gewalt, sondern auch physische. Dadurch, dass sie immer nur auf Ablehnung gestoßen ist, hegt Amanda auch jetzt noch starke Selbstzweifel, die sie wohl nie ganz los wird.
Das wird, wie ich finde, im Roman wirklich sehr gut deutlich gemacht. Es hat mich immer sehr berührt und mitgenommen, was Amanda alles erlebt hat, wie böse ihr Umfeld mit ihr umgegangen ist. Natürlich kann ich nicht nachvollziehen, was ein Transsexueller in diesen Situationen durchmacht, allerdings weiß ich ziemlich gut, wie hart es ist, von anderen nicht akzeptiert zu werden, weil man ihrer Meinung nach anders oder zumindest nicht genauso wie sie ist. Aber dass es auch daraus einen Ausweg gibt, wird hier im Roman nochmal aufgezeigt.
Angesprochen wird auch die Konflikte mit Religion, denn gerade im streng religiösen Süden der USA werden Transgender oder gar Homosexuelle von der Gesellschaft abgelehnt.

Amanda hat nie die Erfahrung gemacht, wahre Freunde zu haben oder gar die große Liebe zu erleben. Doch bei ihrem Vater sollte sie diese Chance bekommen, denn niemand weiß hier von ihrer Vergangenheit. Es ist ein Neustart für sie, sie kann sich aber dennoch nicht richtig frei fühlen, weil sie immer wieder im Hinterkopf hat, dass irgendwer herausfinden könnte, dass sie mal ein Junge war und das allen wohl über aufstoßen würde. Deshalb hält sie es vorerst geheim, erwähnt es weder ihren Freundinnen, noch ihrem Freund Grant gegenüber.
Umso schöner fand ich, was für tolle Freundinnen Amanda in Lambertville gefunden hat. Es hat mich wirklich sehr gerührt, wie selbstverständlich sie auf ihrer Seite standen, nachdem sie den ersten Schock verdaut hatten. Es zeigt nämlich wunderbar, dass es neben so viel Ablehnung auch Bestätigung oder gar Zuneigung geben kann.
Ich fand es schön, wie gut man die Entwicklung von Amanda mitverfolgen konnte. Sobald sie von anderen aufgenommen wurde, ist sie richtig aufgeblüht und war glücklich. Sie ist offener geworden, auch wenn sie sich nie ganz geöffnet hat. Aber man hat gemerkt, wie sehr sie es versucht und allein das ist schon ein Fortschritt.
Ohnehin hat mich die realistische Darstellung in dem Roman sehr oft berührt und mitgenommen. Ich konnte mir oft vorstellen, dass es genauso gut oder genauso schlecht abgelaufen sein könnte. Auch wenn die Welt heute weitaus offener ist, heißt das noch lange nicht, dass jeder akzeptiert wird. Genau das beweist der Roman nochmal aufs Neue. Es ist etwas, woran wir in unserer Gesellschaft auf jeden Fall noch arbeiten müssen.

Am Ende des Romans gibt jeweils ein Nachwort für Cisgender, sowie ein Nachwort für Transgender. Aus Neugier habe ich beide gelesen und finde, dass jeder, der dieses Buch liest, genau das tun sollte, um zu verstehen, weshalb dieser Roman mit seiner Thematik so wichtig ist.

Für mich ist Als ich Amanda wurde keine Liebesgeschichte in dem Sinne. Es geht natürlich um Amanda und Grant, dennoch würde ich sagen, dass es in erster Linie darum geht, wie Amanda mehr und mehr zu sich selbst findet und auch eine Richtung findet, in der ihr Leben in Zukunft verlaufen soll. Es ist essentiell wichtig, dass sie endlich auf Akzeptanz trifft und man merkt ganz deutlich, wie es sich positiv auf sie auswirkt. Es ist ein schönes Beispiel, von dem sich jeder inspirieren lassen sollte.



FAZIT

Als ich Amanda wurde ist ein Roman, der an das Thema Transgender heranführt und schonungslos darüber berichtet. Die Autorin berichtet aus eigenen Erfahrungen, was man dem Roman definitiv anmerkt und gerade die Nähe zur Realität hat mich sehr bewegt. Eine tolle Protagonistin, sowie eine bunte Palette an Nebencharakteren bringen den Roman zum Leben. Abgesehen davon, dass ich mir doch noch etwas mehr über die Veränderungen in Amandas Leben gewünscht hätte, finde ich den Roman mehr als gelungen, weshalb es von mir vier von fünf Kreuzen gibt.




BUCHDETAILS

Titel: Als ich Amanda wurde
Autor: Meredith Russo
Übersetzung: Barbara Lehnerer
Verlag: dtv junior
Preis: 10,95€
Sonstiges: Taschenbuch, 304 Seiten


Die Buchdetails sind der Webseite von dtv entnommen.
Vielen Dank an Stefanie Broller und dtv für das Rezensionsexemplar!

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