10. Juni 2017

Rezension: Niemand wird sie finden


Niemand wird sie finden ist der Debütroman des amerikanischen Autors Caleb Roehrig. In dem Roman wird der High School Schüler Flynn mit dem mysteriösen Verschwinden seiner Freundin January konfrontiert. Der Roman handelt allerdings nicht überwiegend von January und ihrem Verschwinden. Worum es noch geht, erfahrt ihr in meiner heutigen Rezension.



WORUM GEHT ES?

Als seine Freundin January verschwindet, steht kurz darauf die Polizei vor Flynns Tür. Sie befragen ihn zu January, wann er sie zuletzt gesehen hat, wie es ihr in letzter Zeit ergangen ist, ob er wüsste, wo sie sich aufhält. Flynn kann diese Fragen allerdings nur halbwegs beantworten, denn wenn er die ganze Wahrheit auspackt, müsste er auch etwas von sich preis geben, wozu er zu dem Zeitpunkt noch nicht bereit ist. Nach einigen Befragungen nimmt die Polizei an, dass January nicht einfach nur weggelaufen ist, sondern weitaus mehr dahinter steckt. Der Verdacht eines Verbrechens verhärtet sich zunehmend, als bei einer Suchaktion plötzlich ihre blutbefleckte Kleidung gefunden wird. Flynn versucht auf eigene Faust herauszufinden, was mit January passiert ist und lernt seine Freundin dabei von einer ganz anderen Seite kennen. Welche Version von January nun die richtige ist, weiß er selbst nicht so recht. Dabei aber lernt er immer mehr, zu sich selbst zu stehen und ist letztlich auch bereit, sein eigenes Geheimnis zu lüften.


REZENSION

Besonders gefallen hat mir an dem Roman bereits das Cover. Es ist so schön mysteriös und düster gehalten, dass es mich gleich angesprochen hat. Das Bild des Mädchens und die plakative Schrift im Vordergrund wirken beinahe so wie eine Drohung, was für ich den Roman im Ganzen sehr gut widerspiegelt. An der Stelle also ein großes Lob an das Coverdesign.

Niemand wird sie finden wird aus der Sicht von Flynn erzählt, der in der Ich-Perspektive von dem Verschwinden seiner Freundin January erzählt. Gerade die Darstellung von Flynn gefällt mir gut. Der Autor schafft es, seine Gedanken und Gefühle mit nur wenigen Worten auszudrücken. Für mich war Flynn von Anfang an ein sehr greifbarer Charakter, bei dem ich mir vorstellen kann, dass er in der realen Welt ganz oft vertreten ist. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch, dass mir die Entwicklung von Flynn sehr gefällt. Das Verschwinden von January wird für ihn nämlich zu einer Art Selbstfindungsprozess. Dabei ist er sich schon lange darüber bewusst, dass er schwul ist. Nur will er sich das nicht eingestehen, was keine so ungewöhnliche Reaktion ist. Allerdings zwingt ihn schließlich die Polizeiarbeit dazu, endlich damit herauszuplatzen, was für Flynn eher eine Art Befreiungsschlag ist, denn nun muss er sich nicht mehr verstecken. Auch die Reaktionen seiner Eltern, Freunde und Schulkameraden finde ich in dem Roman gut eingefangen und vor allem realistisch dargestellt. Vor allem gefällt mir aber, wie Flynn selbst damit umgeht, dass er sich nämlich nicht nur auf seine Sexualität reduziert.

Ich habe Niemand wird sie finden als sehr kurzweiliges Lesevergnügen empfunden. Die etwas über 400 Seiten hat man wirklich schnell gelesen, was keineswegs an mangelnder Spannung liegt, sondern eher am wirklich angenehmen und einfachen Schreibstil des Autors. Caleb Roehrig braucht nicht viele Worte, um ein Szenario zu beschreiben. Er beschränkt sich auf die notwendigen Details, was keine Szene länger andauern lässt, als es nötig ist. Außerdem animieren die Cliffhanger am Ende einiger Szenen zum Weiterlesen, genauso wie die stetige Frage, was denn nun mit January passiert ist. Eine Besonderheit an der Geschichte ist ebenfalls, dass es hin und wieder Flashbacks von Flynns und Januarys gemeinsamer Zeit gibt. Man hat keine Schwierigkeiten, diese Flashbacks von der Gegenwart zu unterscheiden, denn sie sind kursiv gehalten und lassen sich deshalb sehr gut unterscheiden.

Obwohl die Geschichte spannend ist und einen überrascht, hat mir im Großen und Ganzen doch noch der gewisse Kick gefehlt. Gerade bei den letzten zwei, drei Kapiteln hatte ich irgendwie noch etwas mehr erhofft. Ich habe das Gefühl, dass die Geschichte noch nicht komplett rund ist, so als wäre Januarys Geschichte eben noch nicht richtig erzählt. Man erfährt so viel von ihr, dass man am Ende, ebenso wenig wie Flynn, weiß, wer sie wirklich ist. Ich hätte im Epilog ein Kapitel aus ihrer Sicht, vielleicht kurz vor ihrem Verschwinden besser gefunden, damit auch sie als Charakter gefestigter auftritt.


FAZIT

Niemand wird sie finden ist ein spannender Roman, der vor allem durch einen sehr nahbaren Protagonisten überzeugt. Die Geschichte an sich ist leicht zu lesen und wird dennoch von Spannung angetrieben. Allerdings fehlt mir doch noch das gewisse Etwas, was den Roman besonders macht. Es ist eine gute Geschichte, die zu einer großartigen hätte werden können. Deshalb bekommt Niemand wird sie finden vier von fünf Kreuzen.




BUCHDETAILS

Titel: Niemand wird sie finden
Autor: Caleb Roehrig
Übersetzung: Heide Horn, Christa Prummer-Lehmair
Verlag: cbj
Preis: 14,99€
Sonstiges: Klappenbroschur, 416 Seiten

Die Buchdetails sind der Webseite von Random House entnommen.
Vielen Dank an cbj und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

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